Samstag, 4. Juni 2016

Marathon Man oder: Krimi gestern und heute

nichts für schwache Nerven!
Am Donnerstag wurde auf "Star TV Switzerland" der Film "Marathon Man" aus dem Jahre 1976 gezeigt. 125 Minuten atemlos, jedenfalls fast. Die Spannung war beinahe unerträglich, zum Beispiel in jener Szene, als Dr. Szell mit Hilfe zahnmedizinischer Kunst den Protagonisten foltert, obwohl der arme Kerl nichts sagen kann, weil er auch nichts weiss! Ob es mir deshalb so eingefahren ist, weil ich am selben Tag grad wiedermal höchstpersönlich auf dem Zahnarztstuhl sass? Jedenfalls war das ganz grosses Kino!

Vergleicht man einmal die Machart von Krimis gestern und heute, dann bin ich sehr gern für einmal "von gestern". Der rote Faden, dieser gekonnte Spannungsaufbau mit einfachsten Mitteln, die Subtilität, wie sie nebst John Schlesinger zum Beispiel auch Alfred Hitchcock so gut beherrschte, all das sucht man heutzutage meist vergebens, leider.

Früher wurde auf raffinierte Art und Weise mit dem Nervensystem des Zuschauers gespielt, einerseits dadurch, dass nur ihm etwas bekannt war, den Protagonisten jedoch nicht (z.B. in "the Rope"), oder mittels Erzeugen von schlimmen Ahnungen und Befürchtungen bis hin zu nackter Panik. Nicht von ungefähr wurde Hitchcock auch "Master of Suspense" genannt.

Heute geht man viel grobschlächtiger vor und setzt auf Knalleffekte bis hin zu Explosionen; mehr auf nackte Haut als auf ebensolche Tatsachen, auf ganz viel Gequatsche und natürlich auf den berühmten CSI-Effekt.

Speziell schön war auch, wieder einmal Manfred Schott's markante Stimme zu hören. Er war Schauspieler, Filmemacher und seinerzeit ein sehr bekannter und beliebter Synchronsprecher für viele ganz Grosse des Business wie eben Dustin Hoffman, Jack Nickolson, Michael Caine, Terence Hill, Burt Reynolds, Peter Sellers ….. Raumschiff Enterprise-Fans haben seine Stimme wohl noch im Ohr - nämlich als Pille (Dr. Leonard McCoy) auf gut Deutsch. Manfred war der Lebenspartner meiner Tante und somit ein guter Freund unserer Familie. Er ist 1982 unter misteriösen Umständen bei einem Unfall ums Leben gekommen. Er wäre dieses Jahr 80 Jahre alt geworden.

Da erheb ich doch direkt mal mein Glas auf Dich. liebster Manfred, und darauf, dass es auch in Zukunft noch Filmemacher geben wird, welche das Potential haben, Niveau und Qualität der Vergangenheit in eine glorreiche Zukunft führen zu können. PROST!
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