Dienstag, 27. November 2012

Alltag einer Berner Behörde - Willkommen im vorletzten Jahrhundert

Willkommen im vorletzten Jahrtausend!
Die neue Adresse ist noch nicht bis zum Versand durchgedrungen, bei der Ausgleichskasse der Stadt Bern. Kann ja mal passieren, logisch. Allerdings erhalte ich heute kommentarlos ein Formular „Lohnbescheinigung und Abrechnung der Familienzulagen“ mit intensiver Ausfüllanleitung.

Als Einzelfirma ohne Angestellte kann ich damit eigentlich nichts anfangen, aber bei unseren Behörden weiss man nie. Um Schwierigkeiten, Mahnungen oder gar mehr vorzubeugen rufe ich postwendend an, respektive hätt‘ ich gerne. Um 13:45 meldet sich mit Berner Langsamkeit eine weibliche Stimme: die Büros seien erst ab 14 Uhr wieder geöffnet. Um 14:05 erneuter Versuch meinerseits. Es klingelt-klingelt-klingelt -klingelt -klingingingingingingingelt .... schon meine ich, mich verwählt zu haben, da meldet sich eine andere Dame mit unserem temperamentvollem Ortsdialekt. Die Zentrale sei total überlastet, sie wisse auch nicht und verbinde mich weiter .... respektive möchte es gern. Ich hänge etwa 15 Minuten in der Leitung, und lasse dann eine angemessene Portion Ungeduld rüberwandern. Ich knurre sozusagen in die Leitung und erhalte nach weiteren 5 Minuten einen Mann an die Leitung.

Das gehe nicht um meine AHV, sondern um die meiner (nicht vorhandenen) Angestellten und Familienzulagen wegen deren Kinder. Erst nach mehrmaligem insistieren und Überzeugungsversuchen, ich hätte gar keine Angestellten und sei eine Einzelfirma, krebst er zurück und meint, das Formular sei gestern an ganz viele verschickt worden, und zwar eben teilweise versehentlich. Sorry!

Dass das wohl wieder einen Batzen Geld kosten würde und vielleicht mit ein Grund für die heute heisslaufenden Telefone sei, gibt Herr (wie hiess er doch gleich) unumwunden zu. Er bietet an, dafür zu sorgen, dass ich nicht weiter belangt werde, ich danke höflichst und versuche gleichzeitig, mir vorzustellen, wie die Telefonzentrale dort wohl so aussehen könnte, rein aufgrund dessen, was ich akustisch mitbekommen habe. Das klang entschieden nach „Willkommen im vorletzten Jahrhundert“.

Bäääääärndütsch braucht eben Zeit ..... aber schauen wir doch mal etwas Sprachknuddelmuddel von Massimo Rocchi, der eigentlich genau diese Universalsprache lernen wollte und beim Hochdeutsch gelandet ist. Mammamia! ;-)

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