Dienstag, 13. Juli 2010

Boote können Leben gefährden....


.... besser gesagt: der Geschwindigkeitsrausch.

Auf jeder Zigarettenpackung hat es grosse Warnschriften und abschreckende Fotos, welche über die Gefahren des Rauchens informieren. Bestelle ich etwas irgendwo, steht gross auf dem Verpackungsmaterial, dass ich mir die Tüte nicht über den Kopf ziehen soll wegen Erstickungsgefahr. Aber wo es um den Geschwindigkeitsrausch geht, fehlen Warnhinweise gänzlich.

Man stelle sich vor: statt eintönigem Lack weisen auf Autos aufgesprühte Unfallszenen darauf hin, dass Mensch das Gerät beherrschen sollte und nicht umgekehrt. Solch bildlicher Klartext fehlte wohl auf dem Boot, das innerhalb einer Sekunde ein Leben ausgelöscht und mindestens ein anderes auf brutale Weise zerstört hat.

Sie seien von Lüscherz aus mit einem gelben Gummiboot auf die St. Petersinsel gefahren, erzählt der Freund des Opfers. Er habe noch verzweifelt versucht, den Lenker des heranrasenden Motorbootes auf sich aufmerksam zu machen... vergeblich. So entschliesst sich das Paar zum rettenden Sprung ins Wasser, wobei die Frau in die Bootsschraube gerät. Beide Beine werden abgetrennt, die Hauptschlagader durchtrennt und die 24jährige stirbt in den Armen ihres Verlobten - sie wollten in drei Wochen heiraten.

Ich fühle Stephans Schmerz, seine Verzweiflung und seine Versuche, Angela, seinen Engel, zu retten. Es ist soooooo traurig, es macht sooo wütend, scheint soooo ungerecht und man denkt: hätte... wäre...

Zu Akzeptieren, dass ein Leben einfach ausgelöscht wird, weil eventuell sogar jemand mal versuchen durfte, wie es sich anfühlt, so ein Boot zu lenken, und das erst noch ganz schnell. Ist ja möglich. Ebenso möglich wäre, dass der Apéro an Bord etwas üppiger oder hochprozentiger ausgefallen ist als gut war. Dass der Raser noch nicht gefunden wurde ist unfassbar. Dass er sich selber meldet, damit ist wohl so schnell nicht zu rechnen. Ob er von den ebenfalls auf dem Boot Mitfahrenden angezeigt wird? Wie dem auch sei, Angela wird dadurch, dass jemand die Verantwortung für sein hirnloses Tun übernimmt, nicht wieder lebendig.

Gemäss Internet sind übrigens Boote der Marke Pedrazzini extrem rar... unglaubliche 6 bis 7 exklusive Boote pro Jahr verlassen die Werft, das hat seinen Preis. Offenbar hat es sich beim Tatfahrzeug um ein Holzboot der Marke Pedrazzini oder Boesch gehandelt. Beim "kleinen" Boesch sind Sie ab CHF 131'800.- dabei, beim "grossen" ab CHF 497'500.-. Beim Pedrazzini fehlt der Preis... gibt's wohl nur auf Anfrage. Der Bootsbesitzer dürfte kein armer Mann sein! Ob er auch der Täter ist? Ob jemand das Tatfahrzeug für eine Spritztour entwendet hat? Die Ermittlungen laufen jedenfalls auf Hochtouren und in diverse Richtungen. Mögen sie bald von Erfolg gekrönt sein und der Verantwortliche nicht einfach mit einer Strafe auf Bewährung davonkommen!
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