Dienstag, 23. Dezember 2008

Frauenschicksale

"8jährige darf sich nicht von ihrem 50 Jahre älteren Ehemann scheiden lassen". Verkehrte Welt ist das. Hier dürfte eine 8jährige überhaupt nicht heiraten. Selbst eine Einwilligung der Eltern könnte daran nichts ändern. Voraussetzung für eine Ehe ist in Europa die Volljährigkeit.

Ich war schon 17 Jahre alt als meinem Vater - wir weilten damals in Marokko in den Ferien - einige Kamele für mich angeboten wurden. Dieser sicher nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag wurde von meinem Dad ganz klar abgelehnt. Tat gut, das zu hören. Auch wenn ich manchmal echt eine Nervensäge war und noch bin, wollten meine Eltern mich offenbar nicht loswerden.

Wenn ich mir nun vorstelle, man hätte mich einfach für 8'800 Franken verschachert und ich hätte ab dato irgendeinem alten Mann in der marokkanischen Wüste die letzten Tage versüssen müssen!!!

Die Mutter des 8jährigen Mädchens hat sich für ihr eigenes Fleisch und Blut eingesetzt. RESPEKT!! Das ist nicht selbstverständlich und braucht sicher viel Mut in einem arabischen Land. Die tapfere Frau unterstützt ihr Kind und kämpft um die Auflösung des Ehevertrages. Ein Gericht in Qasim, nördlich von Riad, lehnte jetzt ihr Ansinnen ab. Die Mutter habe zu einer solchen Forderung nicht das Recht. Das Mädchen müsse den Antrag erneut stellen, sobald es die Pubertät erreicht hat.

Kinderehen und Zwangsheirat sind weltweit ein Riesenproblem. Es beschränkt sich nicht auf den arabischen Raum, sind doch solche Praktiken auch in Lateinamerika, Asien und Afrika üblich. Opfer sind fast ausschliesslich Mädchen.

Viele in der Schweiz oder in Deutschland aufgewachsene Türkinnen z.B. fürchten um ihr Leben, müssen untertauchen und sich verstecken, wenn sie sich weigern, einen ihnen völlig unbekannten Mann zu heiraten. Sogenannte "Ehrenmorde" sind keine Seltenheit.

In Fernsehsendungen und Zeitungsberichten versucht man nicht zuletzt seit dem 11. September 2001, uns die Angst vor dem Islam zu nehmen, Berührungsängste abzubauen resp. Brücken der Verständigung zu errichten. Dennoch kommt man nicht umhin, zu bemerken, dass obgenannte Praktiken gehäuft in islamisch geprägten Ländern vorkommen.

Im Jahre 2004 wurde die 16jähriges Atefeh R. zum Tode durch Erhängen verurteilt, wegen angeblich "unkeuschem Verhalten". Tatort: Iran. Die Hinrichtung fand öffentlich statt.

In Somalia wurde kürzlich das 13jährige Vergewaltigungsopfer Aisha zum Tod durch Steinigung verurteilt. Das Urteil wurde soviel ich weiss im November diesen Jahres vollstreckt.

Solche Meldungen schockieren mich zutiefst und machen mich traurig. Was tun wir Menschen einander an?

Susanne Wille hat kürzlich mit einem Kamerateam u.a. den Iran besucht Wie vor ihr schon Micheline Calmy-Rey trägt die Wille ganz selbstverständlich ein Kopftuch. Seinerzeit ging ja wahrhaftig ein Raunen durch die Presse. Muss eine Schweizer Bundesrätin resp. Aussenministerin sich so den Gesetzen eines Landes beugen?

Meines Erachtens ist ein gewisser Respekt angebracht, zum Beispiel wenn man als Touristin eine Moschee besichtigen möchte. Allerdings würde ich kein Land besuchen, wenn ich bereits bei der Anreise im Flugzeug mein Haupt bedecken und meine normale Kleidung unter einem Mantel verstecken müsste, wie ich das aus gerade im Falle des Irans aus sicherer Quelle weiss.

Dass es auch anders geht, zeigte Christine Egerszegi 2007 anlässlich ihres Besuches in Riad - sie traf sich offiziell mit dem saudischen König. Sie verzichtete auf das Kopftuch, da es für sie ein Symbol der Unterdrückung ist.

Es geht hier ganz klar um Machtgebahren, aber auch um Unsicherheit! Ist es die Kraft des Weiblichen, die gewisse Männergesellschaften fürchten wie der Teufel das Weihwasser?

Eines darf man jedoch keinesfalls vergessen. Fundamentalisten, von welcher religiösen Ausrichtung auch immer, sind Fanatiker. So denke ich, dass gewisse Praktiken fundamentalistischer Islamisten wenig mit dem zu tun haben, was Islam wirklich ist respektive sein könnte, und was tatsächlich im Koran steht. Die vielen tragischen Geschehnisse werden jedoch eine Verständigung schwer machen und bei manch einem die Toleranz mehr als überstrapazieren.

Ich bin ganz einfach froh und dankbar, als Frau hier in der Schweiz geboren worden zu sein, hier leben zu dürfen, Rechte zu haben, über Schulbildung zu verfügen.... und nicht als Ware betrachtet zu werden.

1 Kommentar:

stefan m. hat gesagt…

alice schwarzer hat es vorgemacht: auch sie rennt jetzt gegen den islam und das kopftuch an.

aber das kann nur auf eine art interpretiert werden: es ist pure hoffnungslosigkeit, hier bei uns mit den männern in einen anderen dialog zu kommen. es ist pure hoffnungslosigkeit, dass sich frauen mit der ernährerinnenrolle positiv identifizieren. etc.

darum muss der umweg über den islam gemacht werden. nicht um dort männer und frauen mit bomben in die freiheit zu bringen. sondern um mit den eigenen leuten - an einem krassen beispiel aufgezeigt - noch einmal in einen dialog zu kommen.

alles andere ist sehr gefährlich: was die akademisch zertifizierte journalistin susanne wille macht, ist disqualifizierend und volksverhetzend!