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Mittwoch, 13. Mai 2020

Coronoia: einfach zurück zur Normalität?

Restaurantbesuch? Ja, aber nach Abklingen von Coronoia!!!
Heute morgen 10:15 Uhr in Bern: das Adrianos bietet ein bis anhin ungewohntes Bild. Ausser zwei Angestellten HINTER der Bar ist kein Mensch weit und breit zu sehen. Das beliebte Café ist leer! Es hat 100pro auf TakeAway umgeschaltet, habe ich mir sagen lassen.

Etwas später um zirka 11 Uhr: Herr Rota vom Restaurant Kirchenfeld steht am Fenster und schaut hinaus. Normalerweise hätte er wohl um die Zeit genügend in der Küche zu tun. Jedenfalls habe ich auch dieses Bild noch nie gesehen bisher.

Das sind zwei Blitzeindrücke, welche bei mir eine ganze Gedankenkette ausgelöst haben. Mir kommt es so vor, als verhielten wir uns gerade irgendwie wie verletzte Wesen in Rekonvaleszenz. "Duuch" ist der passende berndeutsche Ausdruck dafür. Einfach nahtlos wieder einsteigen in vorheriges Tun und Lassen — undenkbar. Von gewohnter Normalität zu sprechen wäre hier weit verfehlt.

Es sind nicht nur diese leidigen Masken, die von sehr vielen, erstaunlicherweise vor allem jungen Menschen ganz selbstverständlich getragen werden. Es ist viel mehr das artfremde Verhalten, das in den Lauben, Gassen und Geschäften Berns und in unserem gesellschaftlichen Miteinander Einzug gehalten hat.

Wie hält man beispielsweise stets erfolgreich einen 2 Meter Abstand ein? Es passiert halt schon mal, dass man im Laden gerne etwas aus dem Regal nehmen würde, was dadurch verhindert wird, dass eine andere Kundin davor steht und dabei ist, bei einem oder mehreren Produkten minutiös die Inhaltsstoffe auf Allergene zu prüfen. Und es ist jetzt nicht so, dass man wie früher mit einem freundlichen "sorry" doch zugreift, denn darauf reagieren die meisten noch allergischer als auf Glutamat, Laktose, Fructose oder was auch immer. Die Intoleranz und die gegenseitigen Erziehungsmasnahmen haben dermassen Einzug gehalten in unserer Beziehungskultur, dass es, wie man den Medien entnimmt, auch schon mal zu Schlägereien und Pfeffersprayattacken kommt.

Wir sind früher oft auswärts Essen gegangen; nicht weil ich nicht kochen könnte, aber weil es einfach wunderschön ist, sich kulinarisch verwöhnen und auch mal bedienen zu lassen. Und in Lokalen, in denen man zur Stammkundschaft gehört, bildeten sich mit der Zeit so etwas wie Freundschaften. Ich vermisse diese Menschen und denke viel an sie und daran, was sie wohl jetzt gerade durchmachen.

Wenn ich in den "Corona-Regeln Gastronomie" nur schon lese: "strenge Hygiene- und Schutzmassnahmen" würden umgesetzt, dann bleibt mir die Apéro-Olive gleich im Hals stecken!

Interessant ist z.B. Punkt 3: "Mitarbeitende und andere Personen (???) halten zwei Meter Abstand zueinander. Für Arbeiten mit unvermeidbarer Distanz unter zwei Metern sollen die Mitarbeitenden durch Verkürzung der Kontaktdauer und/oder Durchführung angemessener Schutzmassnahmen möglichst minimal exponiert sein".

Was ist eine "Verkürzung der Kontaktdauer"? Wieviele Millisekunden beinhaltet sie? Fliegende Untertassen und ebensolche Teller wären jetzt echt eine Erleichterung, ansonsten trägt der Kellner entweder während des gesamten Einsatzes eine Maske, welche die Sauerstoffzufuhr erheblich einschränkt und unter welcher unser Gesicht bei gefühlten 60 Grad niedergegart wird, oder aber er übt sich in gezieltem Weitwurf, um dem Kunden nicht zu nahe kommen zu müssen — "schmeiss doch mal die Butter rüber".

Die insgesamt 10 Massnahmen des Schutzkonzeptes lassen die Vermutung zu, dass sich die in diesem "Thinktank" integrierten Mitarbeiter des BAG normalerweise nicht zwingend in Restaurants der normalen bis gehobenen Preisklasse zu verpflegen pflegen. Ob da eine Lohnerhöhung fällig wäre?

Mit einem etwas schlechten Gewissen gegenüber den wundervollen Betreibern unserer Lieblingsrestaurants habe wir uns entschieden, erst einmal abzuwarten, wie lange diese widersinnigen Coronaregeln aufrecht erhalten werden. Eventuell wird da auch bald eine zweite Welle bemüht, um die Angst erfolgreich wiederzubeleben und neu zu schüren. Ist ja sooo gefährlich, dieses böse Coronatier, da sind sich Herr Drosten und Bill Gates einig und Melinda wird ihrem hauseigenen Virusspezialisten bestimmt nicht widersprechen wollen.

Derweil läuft weltweit ganz viel. Immer mehr Menschen gehen auf die Strasse und setzen sich aktiv ein! Nein, es geht für einmal nicht ums Geld oder um wirtschaftliche Aspekte, jedenfalls nicht in erster Linie: es geht um unsere Grundrechte, um eine wahrhafte Demokratie, um unsere Zukunft und die unserer Kinder und Kindeskinder, die in einer freien Welt aufwachsen sollen. Für diese Freiheit haben unsere Vorfahren gekämpft, und wir sollten sie nicht einfach "kampflos" aufgeben.

Sonntag, 13. März 2016

#Vegane Ernährung - fördert sie #Gewichtszunahme?

Gesund und leicht: Gerichte aus dem Dampfgarer
Anno 2009 habe ich mit Weight Watchers innerhalb von 5 Monaten 14 Kilogramm abgenommen, erhielt in der Folge als Belohnung Goldstatus und somit bis auf weiteres gratis Zugang zu allen WW-Treffen. Ganze 3 Jahre hielt ich problemlos mein Wunschgewicht, was eigentlich der schwierigere Teil des Gewicht-Managements ist.

2012 war ein ereignisreiches Jahr. Einiges erwischte mich tatsächlich auf dem falschen Fuss und führte gleich auf mehreren Ebenen zu einem Ungleich-Gewicht (!). Die Sorge um die Eltern und nach dem Umzug eine neue Umgebung im Botschaftsquartier Berns mit entsprechenden Schwierigkeiten im Umgang mit deren Sicherheits-Technologien (Kurzwellensender, Störsender etc.), sicher einige Punkte, die sich eher negativ auf mein Schlaf- und Essverhalten sowie meinen BMI auswirkten.

Anfangs 2013 stellte ich meine Ernährung um: erstmal auf vegetarisch, um mich dann kurz darauf voller Begeisterung durch Vegan-Papst Attila Hildmann in die vegane Kochkunst einführen zu lassen (s. Blogeintrag vom 23.5.2013).

Krass fand ich die Reaktion meines Körpers auf Tofu: innerhalb einer Woche waren meine vorher eher kleinen Brüste plötzlich reisengross - wie aufgeblasen. Was bei Männern zu akuten Stielaugen führen kann, war für mich eher nervig, vor allem beim Trainieren. Was viele nicht wissen: Soja ist ein Phytoöstrogen (pflanzliches weibliches Hormon) und wirkt entsprechend auf den Körper, vor allem bei Menschen, welche wie ich schon einmal wegen Hormonen Probleme mit der Schilddrüse gehabt haben. Trotzdem blieb ich eisern vegan und entwickelte viele eigene schmackhafte Rezepte, sehr zur Freude meines Göttergatten, der schon vorher sehr wenig Fleisch ass.

Nun muss so ein Essen ja auch schmecken, und gerade deshalb ist vegane Küche kein Garant für eine schlanke Linie. Viele Menschen nehmen damit eher zu als ab, wie das Internet gleich zuhauf berichtet. Fleischersatzprodukte haben oft viel mehr Kalorien (oder bei WW: Punkte) als Fisch und Fleisch. Dazu kommt, dass man dem Tofu zwar nicht Leben einhauchen kann, aber zumindest so etwas wie Geschmack verpassen muss. Dazu dient zum Beispiel Öl. Die diversen Bratlinge, welche an unsere traditionellen Ernährungsgewohnheiten anknüpfen sollen, sind auch nicht eben kalorienarm. Fett ist halt ein, wenn nicht DER Geschmacksträger! Also immer rein damit.

Trotz einigermassen Geschmack schien zumindest mir etwas zu fehlen. Ich fühlte mich müde und unausgeglichen. Noch NIEMALS hatte ich so viele Tablettenschachteln griffbereit in der Küche. Nebst Vitamin B12 war auch sonst das eine oder andere für mein Wohlgefühl notwenig, und trotzdem kompensierte ich enorm. Fehlt dem Körper etwas, dann versucht er respektive man selber, diese Leere auszufüllen. Sowas bleibt nicht ohne Folgen. Dank der vielen wöchentlichen Trainingseinheiten blieb das einigermassen im Rahmen (einer Kleidergrösse!), allerdings nur bis wir unsere Aikidoschule Ende Juni 2015 schlossen.

Nach einem für meinen Stoffwechsel nicht idealen Ausflug ins SchlankR-Land esse ich seit einiger Zeit nun wieder "normal". Ich entwickle Rezepte und koche Gerichte, die tatsächlich ein Geschmackserlebnis sind, ob vegetarisch, mit Fisch oder gar Fleisch. Lecker, ja KÖSTLICH sag ich Ihnen, vielleicht auch, weil ich zunächst die veganen Geschmacksveredler (Kokosöl, Olivenöl, Sesamöl) auch weiterhin grosszügig einsetzte.

Wie geht es überhaupt Attila Hildmann? Das interessierte mich einigermassen und da er aktuell bei "Let's Dance" mitmacht, konnte ich am Freitag einen ersten visuellen Eindruck erhaschen. Ich war TOTAL erstaunt. Was hat der Mann zugenommen, nämlich, wie er selber sagt: ganze 10 Kilos. Genau wie ich seit WW!

Da er mich schon vor längerer Zeit mit seinen zum Teil auch untenrum leider fast alles enthüllenden Muskel-Selfies und eigenartigen Reaktionen auf kritische Kommentare (lauter "Haters", wie er meint) auf Facebook dazu gebracht hat, auf "gefällt mir nicht mehr" zu klicken, war ich längst nicht mehr à-jour! Das letzte, was ich aktiv mitbekommen hatte war nach "Vegan for fit" sein "Vegan for Youth" und die Behauptung, man könne essenstechnisch die biologische Uhr zurücksetzen und das mittels Spezialgerät sogar beweisen.

Attilas Sixpack ist wohl momentan einem Sixpack im Speckmantel gewichen. Ob es ihm einfach generell zu gut geht, ob er Mühe hat, mit dem öffentlichen Druck und dem Promi-Status fertigzuwerden oder ob es die vegane Küche ist? Sicher keine einfache Frage, möchte man sie tatsächlich beantworten.

Seit letzten Donnerstag setze ich persönlich auf einen Dampfgarer von Miele. Früher hätte ich mir nie vorstellen können, Weihnachts- und Geburtstagsgeld zusammenzusparen für Küchengeräte. Da mich Kochen jedoch fasziniert und ich kein Schuh-Typ bin (das Bild zeigt meine erstmalige Annäherung an High-Heels bei meiner Nichte; s. Blogeintrag vom 28.2.2011), fällt mir das überhaupt nicht schwer, im Gegenteil. Unser "Murphy-Richards", ein ganz anderes Preis- und Qualitätssegment, enthält leider schädliche Plastikanteile, die ich nicht in meinem Essen möchte.

Ob vegan, vegetarisch oder was auch immer: plötzlich merke ich wieder, wann ich satt bin. Auch brauche ich praktisch kein Salz mehr. Bis anhin habe ich immer und überall nachgesalzen. Dieser Impuls ist wie weggeblasen. Das Gemüse ist absolut köstlich, auch das Poulet kam gänzlich ohne Meersalz aus. Nur im Reis hatte es auf 1 ½ Tassen ½ Teelöffel drin. Ich denke, ich bin jetzt auf einem guten Weg, und das mit genügend Dampf und Schmackes, wobei: so dünn, wie anno 2011 möchte ich nicht mehr werden, und sei es nur meinem Gesicht zuliebe. Man gönnt sich ja sonst nichts ;-)

Dienstag, 5. November 2013

Krafft Basel - Umgangsformen unter jeder Kritik

Sorry, wollte keinen (Pinguin) beleidigen!
In meinem Post vom 5. Oktober habe ich ja das Essen im Krafft bereits ein wenig verbal verarbeitet, wenn auch nicht völlig verdaut. Enttäuschung on the rocks gepaart mit marktfrischer Einfalt. Tags darauf nahm ich mir dann noch die Zeit, der Direktion einen Brief zu schreiben (A-Post), so wie man das früher tat, mit Kopie zur Kenntnis per Mail an die zuständigen Ressortleiter. Meine Schwester hatte dann die Idee, man könnte ihr doch das zuviel verlangte Geld einfachheitshalber auf ihre Kreditkarte zurückbuchen und schrieb deshalb gleichentags ein separates Mail.

Offenbar wurde die Sache dann in die Hand von Tim Peters (Service) gelegt, welcher sich daraufhin per Mail mit meiner Schwester (!!!) austauschte. Man nehme die Kritik sehr ernst und habe den Punkt intern thematisiert und besprochen. Direkt hörte ich von niemandem etwas, als hätte ich mich selber gar nicht gemeldet.

Das fand und finde ich unmöglich. So rief ich am 24. Oktober an und verlangte den Chef, Herrn Franz-Xaver Leonhardt, persönlich zu sprechen. Der war gerade nicht vor Ort, rief jedoch tags darauf zurück. Ich war gerade am Unterrichten (habe selber 2 Geschäfte) und konnte nicht antworten, worauf er auf dem Anrufbeantworter ankündigte, es am drauffolgenden Donnerstag (31.10.) erneut zu probieren. Auf diesen Anruf warte ich bis heute vergebens.

Man könnte fast denken, das Mail einer Normalesserin ist viel mehr wert als der Brief einer Veganerin. Natürlich gehöre ich auch nicht zum berühmten "Basler Daig", heisse Schwab und nicht Sarasin, aber kann man deshalb einfäch sämtliche Umgangsformen in den Wind schiessen?

Im Beyeler-Museum hatte ich übrigens zufällig gerade Gelegenheit gehabt, einigen der Basler Crème de la Crème zu begegnen, welche offenbar zu einer "und alle andern müssen draussen bleiben" Vernissage eingeladen worden waren. Ganz ehrlich, mit keinem von ihnen hätte ich einen Abend verbringen wollen. Die taten mir beinahe leid, sahen sie doch alles andere als freudvoll und von der Muse geküsst aus. Sie wirkten auf mich eher traurig und verkrampft. Muss anstrengend sein, sich vom Rest der Welt abzuschotten und dadurch jemand Besonderes zu sein. Da bin ich lieber Irgendjemand und habe meinen Spass.

Im Krafft Basel sind die besten Zeiten wohl definitiv vorbei, ebenso wie die Äera der Familienunternehmen. Sie wissen schon, das moderne Management lässt grüssen.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Vegan on the road .... ein Desaster!

Eh mon Dieu ..... Veganer ....  Hiiilfe :-)
Veganes Essen schmeckt fantastisch, wenn man weiss, wie es zuzubereiten ist. Unterwegs ist man als Veganerin jedoch beinahe aufgeschmissen und könnte glatt verhungern, ginge es nach den "Spitzenköchen". Das ist wohl der springende Punkt: "..... sind ja auch völlig lästig, diese Tierprodukte meidenden Langeweiler", werden die sich wohl denken.

Seien wir ehrlich: Spitzengastronomie setzt heutzutage vor allem auf tierische Zutaten. "Fleisch, alles andere ist Beilage" schreit die Werbung. Dazu werden sämtliche Ingredienzien in Butter geschwenkt, in (Doppel)Rahm gebadet, mit Käse verfeinert und das Ei - in vielen Schöpfungsmythen die Verkörperung des Ursprungs des Lebens schlechthin - darf meist auch nicht fehlen. Nehmen Sie irgendein Rezept und schauen Sie einmal, wie viele tierische Produkte zum Endergebnis beitragen respektive was noch übrig bliebe, wenn man sie mal weglassen würde.

Gestern waren wir in Basel. Wir hatten im "Krafft" reserviert. "Küchenkunst, neu interpretiert" verspricht die Homepage, und "Lassen Sie sich begeistern von unserem kulinarischen Angebot und spüren Sie die Freude an der marktfrischen Vielfalt ...." Nun wollte ich den Küchenchef ja nicht in den Hammer laufen lassen und so rief ich bereits am Montag an und meldete für Samstag eine Veganerin, damit man sich in der Küche etwas einfallen lassen konnte.

Das konnte oder wollte man offenbar nicht. Der Chef de Service bot verbal einen Gemüseteller, etwas Cima di Rapa sowie Rosmarinkartoffeln. Das klang nicht schlecht, wenn auch vom Eiweiss her etwas mager. Mein Wunsch, man möge mir zum Salat eine italienische Salatsauce zaubern, wurde beantwortet mit: "wir bringen Ihnen Essig, Öl, Salz und Pfeffer". Okay, der Salat mit meiner Sauce schmeckte gut, auch wenn ein paar Kräuter wohl nicht geschadet hätten.

Der Hauptgang machte mich dann jedoch fast sprachlos. Unter dem mir Angebotenen (s. oben) stellte ich mir einen Teller mit 4 bis 5 Gemüsesorten vor, liebevoll zubereitet und gekonnt abgeschmeckt. Unter Rosmarinkartoffeln stellte ich mir Ofenkartoffeln vor. Erhalten habe ich 3 Salzkartoffeln mit etwas Grünzeug dran, muss wohl Petersilie gewesen sein. Das Gemüse beschränkte sich auf eine kleine Portion Cima di Rapa und eine ebenfalls übersichtliche Portion Karotten- und Randenstängeli. Das war's. Unnötig zu sagen, dass ich hungrig von Tisch ging. Die marktfrische Einfalt hat mich nicht überzeugt, ebensowenig wie der Preis für diesen "Hauptgang", der aufgrund eines Fehlers zudem ziemlich happig ausfiel (CHF 37.-)

Das erinnert mich an meine Erfahrungen als Vegetarierin in den 90er-Jahren. Die Köche waren allesamt völlig überfordert. Die Bohnen beim Gemüseteller stets fürsorglich mit Speck umwickelt, damit sie nicht frieren mussten. Auch Salate wurden regelmässig tierisch aufgemotzt mit fein gehacktem Speck. 

Aber Leute, ich glaub's tatsächlich trotzdem: wir stehen an einem Wendepunkt. Es gibt immer mehr Veganer und die möchten sich auch beim ausswärts Essen kulinarischen Genüssen hingeben können, vor allem in so renommierten Häusern wie dem Krafft. Und wissen Sie was ..... es dauert nicht mehr lange, bis auch wir auf unsere Kosten kommen, da bin ich mir ziemlich sicher! Attila Hildmann und Konsorten sei dank! Bald haben auch wir hier in Bern ein "La Mano Verde"!


Donnerstag, 23. Mai 2013

Zum Fair-Lieben: Vegane Küche

à la mode de la Cheffe

Anfang Jahr trug ich mich mit dem Gedanken, wegen meiner Verdauungsprobleme neue Wege zu erschliessen. Ein YouTube-Film über unser abscheuliches Verhalten gegenüber Tieren war dann sozusagen die Initialzündung. Vor zirka 20 Jahren ernährte ich mich bereits einige Jahre vegetarisch und gedachte, diesen Faden wieder aufzunehmen. Aber wie ging das schon mal? Einfach nur das Fleisch weglassen, ist bekanntlich nicht die Lösung.

Gottseidank gibt es ja Facebook und daselbst viele gleichgesinnte Freunde, welche einen inspirieren können. Einige davon leben seit Jahren vegan, eine sogar während ihrer gesamten Schwangerschaft. Man liest dann Sätze wie: "mir geht es grossartig" oder "hab mich noch nie im Leben soooo wohl gefühlt", lauscht seinen Blähungen und überlegt: "wäre das nicht auch was für mich?". Da fiel auf einmal der Name Attila Hildmann mit dem Hinweis, mal auf YouTube zu schauen, der zaubere nämlich ganz fantastische vegane Gerichte.

Schon im ersten Rezeptvideo wurde mir etwas Grundsätzliches übermittelt, was den Umgang mit Tofu anbelangt. Den habe ich nämlich vorher immer stundenlang mariniert (und schmecken tat er trotzdem nicht) und nun weiss ich: das ist völlig unnötiger Quatsch. Es geht anders: viel einfacher und dazu noch um einiges besser. WOW.



Unnötig zu sagen, dass ich kurz darauf mein eigenes Exemplar "Vegan for Fun" in den Händen hielt: ein wunderschönes Buch mit tollen Rezepten und Fotos, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Ich ergänzte meine Bibliothek mit Attilas 3 ersten veganen Kochbüchern (cholesterinbewusst, laktosefrei und klimafreundlich kochen), die er quasi im Eigenverlag herausgegeben hat. Beeindruckend wenn man bedenkt, dass Attila eigentlich Physikstudent und nicht gelernter Koch ist.

Ich geniesse jedoch auch die Möglichkeiten des Internets, denn da kann ich dem Meister jederzeit über die Schulter blicken. Eigentlich koche ich NIE nach Rezept! Meist lasse ich mich kurz inspirieren und koche dann mein eigenes Süppchen. Halte ich mich ausnahmsweise doch einmal an eine Vorgabe, ergänze ich fehlende Zutaten und Gewürze gekonnt ;-) durch andere. Meist reicht meine Kreativität, eigene Gerichte zu kreieren. Alles was ich brauche ist das PRINZIP und einen guten Lehrer .... und das ist dieser Attila Hildmann!

Im Moment ist er bezüglich seiner Physik-Diplomarbeit unterwegs, welche er gleich in ein neues Buch kanalisiert "Vegan - Forever Young". Er befindet sich auf den Spuren der Langlebigkeit/Unsterblichkeit, und damit ist wahrlich nicht eine Zitterpartie im Altersheim gemeint. Begleitet wird er von einem Dokumentarfilmer-Team, welches auch schon "Bottled life" und "Hunger" produziert hat.

Die Frage bleibt einfach: will ich überhaupt so lange leben? Wovon ich jedoch definitiv berichten kann: ich habe in meinem Leben noch nie so lecker gegessen. Viele Rezepte geben etwas mehr Arbeit, da ich zum Beispiel den Tofu meist separat anbrate. Salat und Gemüse gab es bei uns schon immer täglich, aber in der Zubereitung lasse ich mir jetzt einiges mehr einfallen. Schnibbelalarm, sag ich Ihnen! Das Herausragendste, Überzeugendste beim Ganzen ist der Verjüngungseffekt. Mein Gewebe hatte vorher einen Hauch von Schlabberlook. Nach kurzer Veganphase war es wieder voller und straffer. Was gefällt Frau besser als zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ich werde dabei bleiben, weil ich es mir wert bin!

Und Göttergatte? Bereits die erste vegane Spaghetti Bolognaise hat ihn überzeugt. Er ist nicht ein Freund vieler Worte und meinte schnörkellos direkt: die will ich ab dato immer so! Obwohl ich ihm angeboten habe, ihm auf Wunsch Fleisch oder Wurst vorzusetzen, blieb die Nachfrage bisher aus. Nur Käse isst er noch, oder eben ab und zu Fleisch, wenn er sich in der betriebseigenen Kantine verpflegt.

Unsere Gäste? Die waren bisher ausnahmslos begeistert. Viele wussten gar nicht, dass sie soeben komplett vegan gegessen hatten, zum Beispiel die vegane Lasagne, gefolgt von einem superleckeren Mangoeis, das den fruchtigen Abschluss bildete.

Apropos Eis: inspiriert vom zweiten Video (s. oben) MUSSTE ich mir soeben mit dem, was der Kühlschrank hergab, eine Zwischenmahlzeit basteln. Wie Sie gesehen haben, dauert sowas nicht mehr als 60 Sekunden! Diesmal waren es Beeren .... Mmmmmh ... schmelz: LECKER ;-)

Und hier ein Blick in unsere Alltagsküche:

Freitag, 28. Dezember 2012

Gaumenkitzler oder einfach nur dekadent .... Edelsandwiches

Dune - oder was alles passt zwischen zwei Scheiben Brot!
„Schahatz, ich habe Hunger, darf ich ein Sandwich?“ „Was soll die Frage; selbstverständlich!“ Was Männiglich nicht weiss: es handelt sich hier um zwei knusprige, mit gesalzener Butter bestrichene Brotscheiben im Gesamtgewicht von 160 Gramm, darin versteckt zwei Scheiben schwarzer Périgord-Trüffel von total 25 Gramm, alles schön verpackt in einen Leinenbeutel. Kostenpunkt: 99.90 und angeblich das edelste, sicher aber eines der teuersten Sandwiches der Welt. Création Michel Rostang, ein Muss für den gekitzelten Gaumen!


sieht ....... trocken aus!
Weihnachtsangebot von Globus delicatessa, Bern
Das Tragische an solchen Spezialitäten: sie besänftigen allenfalls den Hunger nach dem Non-Plus-Ultra, wenn auch nicht für lange. Der Magen schreit bereits nach dem letzen Krümel nach mehr!

Teuerer ist allenfalls noch das im „Selfridges“ London von Scott McDonald kreierte, nicht vegetarische belegte Brot in der Zusammensetzung: Wagyu-Beef, Foie Gras, Mayonnaise aus schwarzen Trüffeln, Rucolablätter, roter Pfeffer, Brie de Meaux aus Fronkraisch und britischen Eiertomaten. 115 Euro, also umgerechnet 139 Franken würde es kosten.

Eines ist sicher: weniger ist meist mehr, das gilt auch bei „einfachen“ Gerichten wie dem nach dem Earl of Sandwich benannten Brotaben-teuer! Mein Schahatz hat Glück, denn ich bin absolut keine Freundin von Schnickschnack und lasse die Kreditkarte brav im Portemonnaie!

Freitag, 21. Oktober 2011

Dufte Erlebnisse und Erfindungen

BEFORE WE QUIT(TE)
Düfte sind etwas Wunderbares, wenn sie denn gut riechen. Tun sie das nicht, merkt man, wie ausgeliefert man trotz der technischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist. Nach wie vor MUSS man ein- und ausatmen - es bleibt einem gar nichts anderes übrig. Die Luft anhalten gelingt einem Laien wohl maximal 1 Minute, mit ein wenig Hilfe auch etwas länger, wie man in diesem Video sieht:


Kürzlich haben wir ein paar Quitten zur Weiterverarbeitung erhalten. Die riechen echt fantastisch - das wusste ich gar nicht. Bisher habe ich mich nämlich immer erfolgreich dagegen gewehrt und lieber gleich den unvergleichlichen Quittengelée verdankt!

Quitten weisen eine Frische auf, die man bei anderen Obstsorten nicht in der Intensität wahrnimmt. Anders ist es jedoch, wenn man sie kocht. Der Einfachheit halber habe ich mir von meiner Schwester einen Saftborn ausgeliehen. Seither köcheln die Früchte still und friedlich vor sich hin. Gestern Abend hat es mich schon ein wenig gestört, dass die ganze Wohnung so exotisch roch und da ich heute nochmal ein paar Garstunden anhängte, drängte sich ein umgehender Duftwechsel auf.

Die einen greifen zu Chemie, die geschickte Blondine setzt auf Natur respektive Kontrastprogramm und serviert zum Mittagessen ein Raclette. Alles Käse oder was?

Eigentlich interessant, dass unser Geschmacksempfinden (manch einer hat bekanntlich gar keinen) dem Geruchsempfinden um einiges unterlegen ist. Mit der Nase nehmen wir Millionen und Abermillionen verschiedene Gerüche wahr.

Kürzlich habe ich im Beobachter über den Berner Unternehmer Beat Grossenbacher (Wangen an der Aare) gelesen, der Düfte gezielt einsetzt, zum Beispiel in Altersheimen. Das läuft unter "Luftveredelung" oder "Duftmarketing". Schlechte Gerüche entsprechen folgender Botschaft ans Hirn: "das ist nicht gut für dich".

Intensiv riechende Patienten werden erfahrungsgemäss bestenfalls weniger oder kürzer besucht als solche mit neutraler Geruchsnote. Schwerstkranke riechen oft so unerträglich, dass man es ohne Einsatz neutralisierender Aromen bei aller Liebe kaum aushalten könnte. Krebs z.B. verströmt einen ganz typischen Geruch und Inkontinenz bleibt meist auch nicht lange unentdeckt.

Bei Air Creative gibt es Duftkreationen, welche Informationen direkt ins Unterbewusstsein schleusen. In vielen Geschäften werden wir bereits damit beglückt, vertreiben solche Produkte zum Beispiel gezielt den Schweissgeruch aus Umkleidekabinen, was niemanden wirklich stört. Der Konsumentenschtz scheint zwar etwas gegen diese Art "Manipulation" zu haben, aber in Alters- oder Pflegeheimen ist man dankbar dafür, gelten die Duftboten doch als Mittel gegen Vereinsamung. Da die ätherischen Öle kalt verdampft werden, bestehe auch kein Allergierisiko, versichert der Erfinder.

Grüne oder blaue Düfte, also etwa Fichtennadeln, Thymian oder Rosenholz seien für Alters- und Pflegeheime besonders geeignet. Etwas weniger passend wären Patschuli (erotisierend) oder Eukalyptus (stimuliert Risikofreude). Nicht auszudenken, womit das Pflegepersonal zusätzlich überfordert sein könnte.

Unsere Kocherfahrung ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben jetzt einmal den Saft gewonnen und können uns dann morgen - BEFORE WE QUIT - in aller Ruhe der Weiterverarbeitung widmen.

Sonntag, 25. September 2011

Miss Schweiz 2011 vs. La Pinte de Meyriez



mmmmmmmmmmmmmmmmh
Die letzten werden die ersten sein... steht schon in der Bibel. Dass dies auch bei der diesjährigen Misswahl (!) der Fall war, zeigt eine kürzlich durchgeführte Blickumfrage. 

Wir haben unseren freien Abend ausserhalb genossen - in einer Pinte .... in DER Pinte überhaupt: "La Pinte de Meyriez" um genau zu sein. Die Speisekarte ist originell, von Angebot und Möglichkeiten gleichermassen. Das "Konfetti"-Prinzip erlaubt eine Zusammenstellung "secondo gusto", die meisten Gerichte für den kleinen oder grossen Hunger, bunt gemischt, leicht oder währschaft. Das milde Herbstwetter erlaubte es, draussen zu sitzen, den alten Baumbestand zu bewundern und durch die Bäume hindurch auch den See zu se(h)en! Ein Vorgeschmack auf's Paradies - SCHMELZ!

Alina Buchschacher ist ein typisches Berner(?)Mädel... die sind alle etwas exotisch, auf die eine oder andere Weise halt. Was wird die Presse in Kürze wohl alles über sie herausgefunden haben? Man erinnere sich an letztes Jahr; da genügte eine falsche Angabe von Kerstin Cook über ihr "Studium", und die Chancen, gleich viel oder mehr zu verdienen als ihre Vorgängerin, begannen einen unaufhaltsamen Sinkflug.

@Alina: Herzlichen Glückwunsch, geniess Dein Amtsjahr und vergiss nicht: es geht nicht allein ums grosse Geld!

PS: Misswahl vs. Pinte: von unserer Seite ein klares 1:0 für's Kulinarische.

Montag, 11. Oktober 2010

Etepeteterlig....

Wildbeilage à ma façon :-)
Erlebnisgastronomie - Fusion kitchen - Molekularküche ... :@

Eigentlich nehme ich gerne als Leserin an einem Festschmaus teil, wenn der Schreiber den Genuss in Worte zu fassen versteht, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Wenn jedoch Kapuzinerkresse mit winzigen gegarten Schnecken ergänzt wird, rohe Zucchiniblüten mit einer Emulsion von Austern gefüllt werden und der Küchenchef zudem erklärend neben dem Tisch stehenbleiben muss, weil: "die weissen Beeren bitte nicht essen, sie sind nur Dekoration", dann finde ich persönlich es mühsam. Dennoch scheint der Schauplatz solchen Geschehens, das Noma in Kopenhagen auf Monate hin ausgebucht zu sein und rangiert in der "San-Pellegriono World's 50 Best" Liste als das beste Restaurant der Welt.

Bei einem Restaurantbesuch will ich in Ruhe und konzentriert die Karte durchgehen, und die muss selbsterklärend sein. Ein halbstündiger Vortrag des Gastronomen, mag er auch noch so interessant sein, kann dermassen nerven, dass man trotz himmlischer Küche beim nächsten Mal ein anderes kulinarisches Paradies aufsucht.

Der "Chrüteroski" war so ein Fall. Es gab keine Menukarte... der Chef verpackte das Angebot in eine Geschichte zum Beispiel über den Jahreszeiten entsprechende Traditionen. Engagiert und begeistert wie er war, was Herkunft und Frische von Produkten und Kräutern sowie den richtigen Umgang damit anbelangt, glänzte er an jedem einzelnen Tisch mit einem nicht zu bremsenden Wortschwall, bis man die Rede auswendig kannte und mit in seine Träume nahm. Irgendwann brauchten wir das jedenfalls nicht mehr, obwohl die Speisen himmlisch schmeckten.

Meines Erachtens besteht die Kunst des Kochens nicht aus "Etepeteterlig" wie beispielsweise 'getrüffeltem Pferdeschwanz auf Tomatencoulis mit Zwetschen-Confit' sondern darin, aus ganz einfachen Produkten wunderbare Gerichte zu zaubern, ohne Schnörkel und PiPaPo - etwas, das unsere Grossmütter und teilweise Mütter noch ohne viel Aufhebens beherrschten.

So haben wir zum Beispiel kürzlich im Seepark Schiffenen extrem gut gespiesen. Ich liess mir einen fantastischen grünen Salat kredenzen (frisch, schön angerichtet, Chicorée weiss und rosso, Nüssler, Blattsalat, süsse Kirschtomaten, ein Ei) gefolgt von Rehfilet mit Rosenkohl, Rotkraut, Spätzle, Kastanien, gekochtem Apfel mit Preiselbeeren, einer kleinen gekochte Birne sowie ein paar Eierschwämmen. Ein Klassiker, aber 1A gekocht. Rehfilet ist übrigens ganz anders als die dünnen Rehschnitzel und die Spätzle waren dermassen gut, dass mir bereits eine Idee für unseren nächsten Selbstversuch gekommen ist.

Übrigens: mir schmecken meist vor allem die ganz einfachen Sachen. Heute hatten wir mal wieder Raclette mit Kartoffeln... das liebe ich dermassen, dass ich schon morgen wieder zuschlagen könnte. Solange ich noch an den besten Raclettkäse der Welt, produziert von der Fromalp AG, komme, muss ich es ausnützen, denn Fromalp-Neubesitzerin Emmi dreht hier leider per Ende Jahr den Hahn zu.

Montag, 4. Oktober 2010

Das Auge isst mit...

Das Auge isst mit....
... AUTSCH! Wenn man ein Wort allzu wörtlich nimmt, kann es schon mal gefährlich werden oder eben ins Auge gehen.

Wenn unser Fenster zur Welt mitdegustiert, wer oder was hilft mir beim Einkaufen? Entscheidet der Magen, was ich heute koche oder ist es doch eher der Kopf. Dass solche Fragen auch ein wenig vom Inhalt des Geldbeutels abhängen, zeigt, dass wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben, denn wenn das einzige, was zur Verfügung steht, Reis ist oder Maniok, dann.... brauche ich bloss noch die 20 Kilometer zur Wasserstelle zu pilgern, denn ohne dieses Element läuft gar nichts, das wissen selbst die "Grand Chefs", und die kochen letztendlich doch auch nur mit Wasser.

Die Frage einer mittelständischen europäischen Frau, deren Herz nicht zwingend für den Haushalt lebt und schlägt, die aber immer wieder Hunger hat und gerne gut isst, bleibt: was koche ich heute? Antworten werden unter diesem Anschluss gerne entgegengenommen; Kutteln und Ähnliches bleibt jedoch garantiert im Spamfilter hängen.

Donnerstag, 26. August 2010

Bürgisweyerbad… eine Entdeckung


Mir geht es meistens richtig gut, oft aber auch einfach fantastisch. Dann ist das Leben Verwöhnaroma pur. So auch letzten Samstag, als eine wunderbare Freundin uns zu ihrer Geburtstagsfeier ins Bürgisweyerbad einlud.

"Am Füdle vo der Wäut" …. am Allerwertesten dieser Erde? Auf keinen Fall. Man könnte diesen Ort sogar als Zentral- oder Fixpunkt der Schweiz bezeichnen, wenn nicht als Fixstern am Himmel des kulinarischen Erlebens.

Allein das Drumherum ist stimmig: viel Grün, Natur, Stellen zum Verweilen, zum Entschleunigen, zum Tanzen und Feiern. "Lassen Sie sich von uns rundum verwöhnen" lautet das Motto der Gastgeber Sonja und André Schreiber, und das ist für einmal nicht zuviel versprochen.

Uns wurde einiges geboten. Zum leckeren Weissen reichte man Flamenkuchen nach Art des Hauses. Hätten die Wespen nicht den Narren an mir gefressen, ich würde wohl heute noch dort sitzen, einfach so, nicht um auf bessere Zeiten zu warten, die eigentlich gar nicht eintreffen könnten.

Das Abendessen war für mich dann eine komplette Überraschung. Dieser Koch lässt doch tatsächlich seine ganze Kreativität in jeden einzelnen Gang mit einfliessen. Das Rezept für die Currysuppe wollte er mir partout nicht verraten und hat damit wohl eine gewisse Kundenbindung erzielt! Sympatisch auch, dass er die exquisiten Teigwaren meiner Freundin - diesmal unter anderem die Rosennudeln - regelmässig in seine kulinarischen Aufwartungen mit einflicht… die Produkte von "les Délices de Barbara" sind nämlich mehr als eine schmackhafte Beilage.

Eines ist sicher: trotz der für uns Berner etwas längeren Anreise (zirka 50 Minuten ein Weg) haben wir da sicher nicht zum letzten Mal gegessen. Vom 3. bis 19. September führen sie übrigens eine Kräuterwoche durch, gegen die noch kein Kraut gewachsen sein dürfte, gefolgt von den Schoggiwochen vom 4. bis 21. November, welche ganz klar unsere Schokoladenseiten in den Vordergrund rücken werden… bestimmt mit Hilfe von Barbaras sensationellen Schogginudeln mit Ingwer und Chili…… Mmmmmh - E Guete =D

Donnerstag, 1. Juli 2010

Pastis-serie


Manche lieben Pâtisserie, andere Pastis-serie... also ohne Ende =D

Bei unseren Aufenthalten in Saignelégier pflegte ich jeweils den Abend mit einem Pastis (vom provenzialischen "Pastaga" für Mischung oder auch "Pastiche" für Nachahmung in Bezug auf Absinth abgeleitet) einzuläuten, während sich Martin meist lieber Kaffee und Kuchen zu Gemüte führte. "Le Pastis c'est pour Monsieur?" fragte jeweils die Servierkraft zielsicher. Mein "non, le Pastis c'est pour Madame" sorgte stets für Staunen. Ein seltsamer Rollentausch....

Original Pastis wird aus Alkohol, Sternanis, Wasser und Zucker hergestellt. Diese Ingredienzien lässt man über 24 Stunden ziehen und so zum Anisextrakt werden. Auf gleiche Weise wird aus Lakritzpulver und Alkohol ein Lakritzextrakt hergestellt. Beide Extrakte werden nun nochmals mit Alkohol, Wasser und Zucker vermischt, und eines der bekanntesten Apéritifs, das Pastis 51, ist geboren. 51 heisst diese beliebte Sorte, weil sie seit dem Jahr 1951 von Pernod vertrieben wird, enthalten tut er "nur" an die 45 Volumenprozent Alkohol. Ich kaufe meist den etwas günstigeren Pastis 45.... der schmeckt auch und wird praktisch identisch hergestellt.

Pastis mundet ausgezeichnet und eignet sich auch gut zum Aromatisieren von Speisen und Saucen. Man sagt ihm sogar Heilkräfte nach!! Anders als seinerzeit Absinth resp. Wermut enthält Pastis oder Pernod kein Thujon, ein Kraut, welches u.a. Schwindel, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Depressionen oder gar Blindheit hervorrufen kann. Seit 1998 darf die "grüne Fee" übrigens wieder legal verkauft werden. In Saignelégier konnte man schon vorher illegal den klaren Absinth, auch "Blanche" oder "La Bleue" genannt, kaufen. Aus Vorsicht verzichtete man bei der Herstellung auf die verräterische typische Grünfärbung!

Heute sprach ich mit jemandem über Pastis und dessen Wirkung auf unser Wohlbefinden... letztere natürlich nur, wenn nicht übertrieben wird. Da meine Freundin das Getränk nicht kannte, schlug ich vor, gemeinsam einen zu geniessen.

Meine empfindlichen Geschmacksnerven meldeten sofort und auch für mich einigermassen überraschend: Pastis ist nicht gleich Pastis.... meine Enttäuschung über das gebotene Geschmackserlebnis war riesig. Da war zwar dieser angenehm mundende Anisgeschmack, der wurde jedoch übertönt durch etwas, das mich sofort an die indische Küche denken liess. Meine diesbezügliche Frage konnte das Personal nicht beantworten, allerdings wurde mir die Flasche präsentiert. Meine Freundin Wiki lüftete dann das Geheimnis. Im Pastis Henri Bardouin findet sich nebst den üblichen Inhaltsstoffen unter anderem Zimt, Pfeffer und Kardamom. Letzteres war es auch, das mich störte, dies obwohl genau dieser Pastis 2008 mit einer Medaille d'Or ausgezeichnet wurde. Trotzdem schmeckt der auf wenige Ingredienzen reduzierte um vieles besser.

"In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung" lautete Leonardo da Vincis Motto und Schiller meinte dazu: "Einfachheit ist das Resultat der Reife."... und auf die reife Leistung meiner Geschmacksknospen bin ich schon ein wenig stolz. Prost zäntume =D

Sonntag, 20. Juni 2010

Kulina(nnema)rie☆: Chesery Murten


Wir sind nicht zum ersten Mal hier. Anders als sonst liegt heute jedoch ein auffallend penetranter Käsegeruch über allem in der Chesery Murten, fast so als hätte eine Gruppe durchgeschwitzter Soldaten auf Kommando ihre Schuhe ausgezogen. Das Lokal ist gut besucht; trotzdem wartet hinten in der Ecke ein Tischchen (CHF 680.-) auf uns. Alle Möbel und Einrichtungsgegenstände sprechen von einer jahrzehntealten Geschichte und können käuflich erstanden werden, ebenso wie Bilder, Dekomaterial etc. Louis irgendwas sucht man jedoch wohl vergebens.

Vorsichtig setze ich mich auf einen Stuhl (CHF 560.-), der irgendwie moderig riecht. Der Stoff der Armlehnen ist teilweise abgewetzt und es sieht fast so aus, als ob die Ratte gleich mit eingebaut wäre. So wechsle ich kurzerhand auf ein Sofa, welches gegebenenfalls auch als Trampolin benutz werden könnte. Der Tisch ist übervoll mit Gläsern, die von der letzten geselligen Runde sprechen, teilweise jedoch noch unbenutzt sind.

Man muss es mögen, dieses Ambiente von alt, ein wenig angestaubt, ja fast etwas überladen. Die angeschlossene Vinothek lässt kaum Kundenwünsche offen. Was etwas irritiert: es gibt nirgends eine Karte mit dem aktuellen Angebot samt Preisen. Die kulinarischen Leckereien sind zwar per Handschrift auf einem Zettel vermerkt, aber man möchte halt doch gerne wissen, was so ein Käse- Wurstplättchen oder der Serrano-Schinken kostet.

Auch Getränke- oder Weinkarte gibt es keine. Man kann sich in der Vinothek selber schlau machen, denn da sind sowohl Flaschen- als auch Deziliter-Preise angegeben. Allerdings: welcher durstige Erdenbürger möchte sich erst einmal durch die vielen Crus durchlesen? Eben!

Auf gut Glück bestellen wir mal die erste Runde: zwei Gewürztraminer, einen Rosé und einen Vully. Die Meringues (pro Stück 3.50) werden in einem Bottich auf den Tisch gestellt, in der Mitte Double crème und dazu noch eine Flasche Kirsch. Martin strahlt.... und bedient sich ausgiebigst. Lecker!!!

Die nächste Gläserrunde steht an und dazu bestellen wir diesmal ein Käseplättchen und Serranoschinken. Vorsichtigerweise fragen wir aber erst, mit was wir etwa rechnen resp. welche Kreditkarte wir einsetzen müssen. Vorsicht ist die Mutter aller Porzellankisten und das hat sich wieder einmal ausbezahlt.

Der 100-Gramm-Preis beim Käse beträgt 12 Franken. Das wäre ein Kilopreis von aufgerechnet 120 Franken! Der Serrano Schinken schlägt mit 18 Franken pro 100 Gramm resp. einem Kilopreis von stolzen 180 Franken noch mehr zu Buche. Ich finde das unangemessen - Sie?

1 Deziliter Gewürztraminer kostet übrigens Fr. 8.50, der Pinot gris Fr. 7.50, der Oeil de Perdrix Fr. 7.00, der Cru de l'hôpital Fr. 5.00. Unser Wein war übrigens fast ausschliesslich Cru de l'Hôpital, also Wein aus der Gegend... und dafür war er echt an bzw. über der oberen Grenze. Unser Apéro von 110 Franken für 4 Personen kann man nicht unbedingt als günstig bezeichnen. Wir werden nächstes Mal wohl anders disponieren.