Donnerstag, 5. Februar 2009

Auftragsmord im Nachbarsgarten


Heute morgen beim Öffnen des Fensters stand beinahe mein Herz still. Leider nicht ganz, denn so musste ich mich der Tatsache stellen, dass Dummheit und Ignoranz auch im Nachbarhaus an der Wiesenstrasse 75 Einzug gehalten hat. Es handelt sich um die Lehrerin Katja G., welche das Parterre bewohnt und laut Eigentümerin eigentlich!!! eine ganz propere Person sei.

Wie aber ist es zu erklären, dass Frau G. die Hausbesitzerin brandschwarz angelogen hat - "nein, der Baum hat längst keine Kirschen mehr" - und damit das Todesurteil zweier meiner besten Freunde besiegelte.

"Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot..."

....und ich konnte ihm nicht helfen. Mein Vater hat noch alles versucht, telefoniert um sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen um wenigsten den zweiten zu retten.... zu spät. Obstbäume stehen nicht unter Schutz und der Eigentümer kann damit machen, was er will.

Nur weil ein Baum nicht herumspringt heisst das nicht, dass er nicht lebt. Die Hauseigentümerin, übrigens eine sehr nette Frau, hat eigentlich!!!! ein Herz für Bäume. Ich hatte mit ihr ein längeres Gespräch und es tut ihr echt leid, dass sie das alles nicht früher gewusst hat. Nebst dem einen Punkt, einer etwas teuren Baumpflege, sei es halt durch die Kirschbäume auch dunkel gewesen, sagt sie.

Was heisst hier dunkel. Die eigentlichen Auftraggeber der Aktion - die Lehrerin Katja G. samt Freund - sind tagsüber nie zuhause. Abends kommt die Sonne von Westen, da ist eh nix mit hell. Es stellt sich nebenbei die Frage, wie Frau G. als Pädagogin ihren Kindern den Umgang mit der Wahrheit nahebringt?

Mit den Bäumen verschwinden auch die vielen Vögel, die uns immer besucht und beliedet haben und diese wunderbare Energie, die mich all die Jahre beim Fensteröffnen so erfreut und aufgebaut hat. Ich brauche hier nicht mehr zu bleiben. Mein Freund, der Baum ist tot.

Noch steht ein kläglicher Rest... und ich kann es kaum ertragen, zu sehen, wie er buchstäblich schrittweise massakriert wird, von zwei harmlos aussehenden Ättis, welche nicht wie Berufskiller aussehen. Es sind übrigens auch keine Gärtner sondern einfach private Pensionäre.

Ob er die Schmerzen fühlt, mein Freund. Ich fühle sie und der Ton der Säge klingt für mich unerträglich. Das Grauen hat einen Namen: Mensch... öffne Deine Augen oder noch besser: öffne Dein Herz.

Frage: Wie hält man es nur aus in einer Welt, in der die Wertmasstäbe sich so verschoben haben... in einer Welt, in der Tausende für ein paar Franken mehr auf die Strasse gehen, aber Augen und Ohren verschliessen wenn es um unsere Mitgeschöpfe geht. Ich weiss es auch nicht, ich brauche hier nicht mehr zu bleiben... mein Freund der Baum ist tot.

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